27. – 29. Januar 2019

Offen, tabulos, auf Augenhöhe: In einem intensiven Dialog und mittels innovativer Formate wie Sparkling Inputs und World Cafés wurden bei der 6. Internationalen Bürgermeister/innen Konferenz NOW die Anliegen der Jugend diskutiert und Wege gesucht, sie in Entscheidungsprozesse einzubinden. Wie man den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und Partizipation ermöglicht, erörterten am 28. und 29. Jänner 2019 in Wien rund 240 Teilnehmer/innen aus 28 Nationen – rund ein Drittel von ihnen Jugendliche sowie politische Entscheidungsträger/innen, Vertreter/innen von NGOs und Expert/innen.

Wie die Gesellschaft von morgen aussieht, wird im Hier und Jetzt entschieden. Allerdings werden junge Menschen, obwohl sie direkt von den Auswirkungen dieser Entscheidungen betroffen sind, dabei oft zu wenig berücksichtigt. Die Internationale Bürgermeister/innen Konferenz NOW, zu der Act.Now von 28. bis 29. Jänner 2019 bereits zum sechsten Mal einlud, stellte daher mit dem Thema „Gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken – Jugendpartizipation in unseren Städten und Gemeinden“ die Jugend in den Mittelpunkt. Nicht über Jugendliche reden, sondern mit ihnen – dieses Credo begleitete die zweitägige Konferenz in der Gösserhalle in Wien.
Die Veranstaltung stand unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen und wurde in Kooperation mit der Stadt Wien durchgeführt, vertreten durch Mag. Jürgen Czernohorszky (Stadtrat für Bildung, Integration, Jugend und Personal), der gemeinsam mit den Act.Now-Gründer/innen André Heller, Patricia Kahane und Elke Zuckermann die Konferenz eröffnete. „Die Politik muss immer danach streben, alle Menschen zu erreichen und ihre Anliegen zu verstehen. Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche“, so Czernohorszky. Die Stadt Wien will daher mit einem neuen Projekt, das bei den anwesenden Bürgermeister/innen auf großes Interesse gestoßen ist, tausenden Jugendlichen die Möglichkeit zur Partizipation geben. „Vertrauen und Respekt sind unverzichtbare Werte für eine Gesellschaft, in der junge Menschen gerne leben.“ Eine Persönlichkeit, die diese Werte verkörpert hat, so Czernohorszky, war Pawel Adamowicz. Mit einer gemeinsamen Schweigeminute erwiesen die NOW-Teilnehmer/innen dem vor zwei Wochen gewaltsam zu Tode gekommenen Danziger Bürgermeister ihre Reverenz.

Perspektiven-Vielfalt im Drei-Generationen-Talk

Zum Auftakt der Konferenz fanden sich drei Generationen zu einem besonderen Gespräch zusammen: André Heller (geb. 1947, Mitbegründer von Act.Now), Diana Guenther (geb. 1971, Forscherin und Sozialarbeiterin im Bereich Partizipation benachteiligter Jugendlicher in Kanada) sowie Natalie Haas (geb. 1995, UN-Jugenddelegierte für Österreich) beleuchteten das Thema Jugendpartizipation aus der Perspektive ihrer jeweiligen Generation. Natalie Haas geht es grundsätzlich nicht um Teilnahme, sondern um Teilhabe. „Diese Teilhabe muss auf allen Ebenen möglich sein – vom Kindergarten bis zur internationalen Politik.“ André Heller konstatierte: „Früher war nicht einmal innerhalb der Familie Teilhabe möglich“, aber es gebe noch viel nachzujustieren. „Junge Menschen sind gut informiert, konzentriert, sie nehmen die Dinge nicht auf die leichte Schulter. Es ist eigentlich eine Unverschämtheit, nicht auf sie zu hören. Wir sollten sie im Gegenteil ermutigen, sich einzubringen.“ Eine globale Herausforderung, die das Einbeziehen der Jugend gerade jetzt notwendig macht, ist der Klimawandel – darin waren sich alle drei Generationen einig. Denn: „Ältere Generationen werden die Konsequenzen vielleicht nicht mehr betreffen, aber die Jugend garantiert“, hielt Haas fest. Weitere gemeinsame Punkte sahen die drei etwa in der teils prekären Jobsituation für junge Menschen und ebenso in der Zukunft der Demokratie. „Für die Lösung dieser Probleme braucht es junge Menschen. Junge Menschen denken unheimlich kreativ, sie hinterfragen, sie sind weniger bereit, mit Kompromissen zu leben“, betonte Diana Guenther. Als gemeinsamen Lösungsansatz sehen die Podiumsteilnehmer/innen politische Einbindung auf allen Ebenen. Und es brauche „eine Politik, die strukturelle Ungleichheiten anpackt. Keine Politik der Angst“ (Guenther). Für Aufmerksamkeit sorgte ein Vorschlag Hellers: „Es wäre gut, wenn im Parlament junge Leute wenigstens zu einem Drittel vertreten sind.”

Promising Practices: Kopieren erwünscht

Bei einem Rundgang tauschten sich die Teilnehmer/innen der Konferenz über nachahmenswerte Projekte aus 15 Ländern in den Bereichen Jugendpartizipation, sozialer Zusammenhalt, Bildung und Integration aus. So stellte Sarah Susanj (ehemalige Kinderbürgermeisterin) das 2001 gegründete „Children & Youth Council“ in Opatija (Kroatien) vor: Der Kinderstadtrat gibt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Meinung zu allen Fragen, die sie betreffen, zu äußern und ihre Stadt mitzugestalten. Er besteht aus Vertretern jeder Grundschulstufe sowie zwei Vertretern aus benachteiligten Gebieten Opatijas. Inspiration, Ermutigung und Vernetzung: Auf diese drei Säulen setzt die österreichische Initiative „Schule im Aufbruch“, präsentiert von Peter Schipek. Ziel ist es, dass Kinder in der Schule ihr Potenzial, ihre Begeisterung und ihre Kreativität besser entfalten können. Und Schulen zu ermutigen, dies zu ermöglichen.

Inspirationen & Diskussionen

Für Anregungen und Diskussionsstoff sorgten die „Sparkling Inputs“ – kurze Vorträge mit visueller Unterstützung. So ermutigte die erst 17-jährige Fahima Elmi (niederländische Botschafterin der Forgotten Child Foundation und erste Nominierte ihres Landes für den International Children‘s Peace Prize), Gleichaltrige sich aktiv für Änderungen einzusetzen. Im Alter von 11 Jahren erreichte sie, dass in niederländischen Frauenhäusern Kinderbetreuung angeboten wird. „Jeder kann ein Changemaker sein. Veränderungen müssen nicht immer groß sein. Und es ist völlig in Ordnung, nicht immer die Antwort auf alles parat zu haben. Aber habt niemals Angst, euch zu äußern. Veränderung beginnt im Kopf. Und Veränderung beginnt heute und hier.“ Ali Mahlodji, Gründer von whatchado und European Youth Ambassador, appellierte daran, an das eigene Potenzial zu glauben und sich nicht der Orientierungslosigkeit zu ergeben. Man dürfe nie aufgeben – wie ein Kind, das Gehen lernt und es auch nach dem 40. Hinfallen unbeirrbar weiter versucht. Für Gari Pavkovic, den langjährigen Leiter der Integrationspolitik der Stadt Stuttgart, ist Integration mit Partizipation gleichzusetzen. Mit einem Anteil von 45% Immigranten bemüht sich Stuttgart, allen Bürger/innen die gleichen Chancen und Mitsprachemöglichkeiten einzuräumen.